Der Unterschied zwischen Hören und Zuhören

von Ann Vielhaben (Kommentare: 0)

In: Techniken

Unsere Ohren sind ein erstaunliches Werkzeug.

Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Zuhören und Hören?

Auf jeden Fall.

Hören ist die PASSIVE Art, wie wir einen Klang wahrnehmen, während Zuhören die AKTIVE Art ist. Beide Fähigkeiten werden benötigt, um unseren stimmlichen Output zu meistern. Wenn wir an unserer Sprechtechnik arbeiten respektive vor und mit dem Mikrofon, können wir durch Zuhören differenzierter sprechen.

Sind wir hingegen zu sehr auf das Gehörte fixiert, verkrampfen oft Körper und Atemsystem, was dazu führt, dass wir uns selbst gegenüber übermäßig kritisch sind.

Viel wichtiger ist es insofern, den Klang zu FÜHLEN, anstatt sich selbst zu­zuhören. Zeit zum Zuhören ist im Nachhinein immer noch gegeben, dann kann das Gefühlte mit dem Hörbaren abgeglichen und ausgewertet werden.

Eine gute Übung fürs aktive Hören kann sein, eine Aufnahme von Ihrem Unterricht, Ihren Übungen und Auftritten abzuhören: Im Nachhinein eine Rede zu analysieren, ist sehr konstruktiv, denn es wird deutlich, ob Ihre Gedanken stimmlich getragen werden und die Botschaft rezipierbar ist. Häufig denkt man auch eher an das, was man sagen möchte, anstatt auf genau das zu antworten, was das Gegenüber erfragt.

Auch lässt sich leicht erkennen, ob die angewandte Sprechtechnik, der Sprach­rhythmus sich überträgt.

Im Umkehrschluss sollte man also auch verstehen, wie wichtig es ist, den inneren Kritiker während des Sprechens, während eines Vortrags, auch mal auszuschalten.

Einer der Gründe, warum man in der Konversation so selten verständige und angenehme Partner findet, ist, dass es kaum jemanden gibt, der nicht lieber an das dächte, was er sagen will, als genau auf das zu antworten, was man zu ihm sagt. Die Feinsten und Gefälligsten begnügen sich damit, während man es ihrem Auge und Ausdruck ansehen kann, dass ihre Gedanken nicht bei unserer Rede sind, sondern sich eifrig mit dem beschäftigen, was sie sagen wollen. Sie sollten bedenken, dass es ein schlechtes Mittel ist, anderen zu gefallen oder sie zu gewinnen, wenn man sich selbst so sehr zu gefallen sucht, und dass die Kunst, gut zuzuhören und treffend zu antworten, die allerhöchste ist, die man im Gespräch zeigen kann.

Zitat von Francois de la Rochefoucauld

Das aktive Zuhören geschieht in vier Schritten:

Zunächst ist es die Wahrnehmung (und zwar selektiv, denn der Mensch ist gar nicht in der Lage, auf alle Informationen, Reize und Eindrücke einzugehen. Der Blickkontakt ist das Entscheidende, leicht herzustellen bei einem persönlichen Austausch. Bei einem Podcast kann das auch die konkrete Vorstellung eines Gegenübers sein, an den man seine Botschaft richtet.

Im Anschluss setzt das Verstehen ein: Beim Verstehen wird das Gehörte aufgefasst und - schönes Wortspiel - begriffen. Miss­verständnisse können zum Beispiel entstehen, wenn Sender und Empfänger Begriffe unterschiedlich definieren.

Es folgt die Wertung: Meist bewerten wir, was wir gehört und verstanden haben. Nachfragen und auch Feedback können dabei helfen, Miss­verständnissen vorzubeugen und Aussagen zu dechiffrieren.

Abschließend folgt die Reaktion. Sie lässt sich aufsplitten in verbale und non-verbale Reaktionen, wie Kopfnicken oder Blickkontakt.

Aktives Zuhören ist erlernbar, dabei müssen Aussagen des Gesprächs­partners nicht wiederholt werden. Das "Spiegeln" von Aussagen („Habe ich richtig verstanden, dass ...?") hilft zu zeigen, dass eine Aussage wahrgenommen wurde.

Wer sieht, dass das Gehörte zusammengefasst werden kann, fühlt sich verstanden.

 

Wer redet, sät,

wer hört, erntet.

aus Argentinien

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